Interview Maarten De Boe

Zunächst einmal: Wer ist Maarten De Boe?

Ich bin Maarten De Boe, 34 Jahre alt, verheiratet mit Katrien und Papa von Rens, Flo, Cas und Nel. Beruflich bin ich als Schulleiter einer Schule mit dem Schwerpunkt Sonderpädagogik für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen tätig. Ich bin auch Taubenfotograf, und mittlerweile habe ich auch unter dem Namen „Columba Pigeon Photography“ eine gewisse Bekanntheit erlangt.

Wie sind Sie zum Taubensport gekommen bzw. zurückgekommen?

Ich bin im Alter von 12 Jahren durch Zufall zum Taubensport gekommen. Eine Taube, die bei uns im Garten gelandet ist, hat mich sozusagen mit dem Taubenvirus infiziert. Nach und nach fing ich an, Tauben zu züchten mich mit dem Taubensport zu beschäftigen. Kurzstrecke mit Jungtauben war damals mein Ding, und schon bald gewann ich mehrere Juniorenmeisterschaften. Studium, Beruf und die Familie ließen sich nicht mehr mit dem aktiven Taubensport vereinbaren. Ich war ca. 20 Jahre lang kein aktives Mitglied. Der Taubensport faszinierte mich jedoch weiterhin, und obwohl ich keine eigenen Tauben mehr hatte, verfolgte ich den Taubensport weiterhin. Für die Familie Herbots habe ich mehrere Jahre lang Berichte verfasst, und für Pipa habe ich mehrere Saisons lang jede Woche die nationalen Gewinner besucht. Dadurch habe ich den Kontakt zum aktuellen Taubensport nicht verloren.

Aber seine wahre Natur kann man nicht verbergen, und so beschloss ich im Jahr 2020, mich wieder aktiv der Taubenzucht zu widmen. Dank meiner Taubenfotografie konnte ich meinen zweiten Start im Taubensport in der Saison 2021 vollständig finanzieren. Ich bin dankbar, dass ich diesen Nebenberuf ausüben kann, weil ich dadurch die Möglichkeit habe, mich intensiv mit meinem Hobby zu beschäftigen.

Dies kann auch ein Tipp für die Jugend sein: Die kommerzielle Taubenwelt wird oft etwas verächtlich betrachtet, aber es gibt auch Möglichkeiten, sich etwas dazuzuverdienen, und so sein Hobby zu finanzieren. Sucht nach Gelegenheiten und ergreift sie. In meinem Fall war es die Arbeit als Taubenfotograf, aber es gibt auch andere Nebenjobs in der kommerziellen Taubenwelt, für die immer motivierte Leute gesucht werden: Berichte schreiben, Texte für Auktionen schreiben, Tätigkeiten als Helfer/Betreuer bei den größeren Schlägen, Taubentransport, Übersetzen, Unterstützung der Schläge bei der Zuchtbuchverwaltung usw. Auch der Nutzen des Netzwerks, das man dabei aufbaut, ist nicht zu unterschätzen. Dank meines Nebenberufs als Taubenfotograf kann ich an Orte reisen und mit Menschen in Kontakt kommen, die man sonst nie kennenlernen würde.

Welch Ambitionen hatten Sie, als Sie angefangen haben?

Ich rede niemals öffentlich über meine Ziele, bevor sie nicht verwirklicht sind. Meine engsten Freunde wissen, welche Ziele ich mir im Leben setze. Als ich angefangen habe, war ich überzeugt, dass ich keine halben Sachen machen wollte. Ich hatte eine Vision im Kopf und darauf habe ich hingearbeitet. Im Hinterkopf hatte ich zum Beispiel den gesunden Ehrgeiz, eines Tages eine nationale As-Taube zu gewinnen, aber ich hätte nie gedacht, dass ich das so schnell realisieren würde. Nach der Saison habe ich mich oft gefragt, ob dieser Erfolg nicht zu früh kam. Die Messlatte für die Zukunft liegt nun sehr hoch, und ich habe mich nach dem Titel von „Little Sonja“ manchmal gefragt, ob ich mich noch motivieren kann. Immerhin wurde das Größte, was es im Taubensport zu erreichen gibt, nach nur drei Jahren realisiert.

Andererseits ist es relativ einfach, sich im Taubensport neue Ziele zu setzen. Den Gewinn einer nationalen As-Taube kann ich jetzt von meiner Bucketlist streichen. Aber es gibt noch so viel mehr zu gewinnen. Ich hätte zum Beispiel gern eines Tages noch einen weiteren nationalen Gewinner in meiner Erfolgsbilanz. Dies ist jetzt kein Ziel an sich, aber dennoch etwas für die Zukunft.

Wie kombinieren Sie den Taubensport mit Ihrem ausgefüllten Berufs- und Familienleben?

Das ist eigentlich die Frage, die mir in den letzten Monaten am häufigsten gestellt wurde. Wie machst Du das nur alles: eine Familie mit vier Kindern, der Job als Schuldirektor, die Leitung einer Taubenkolonie, der Nebenjob als Taubenfotograf? Erstens habe ich eine wunderbare Frau, die sich größtenteils um die Kinder kümmert. Zweitens versuche ich, meine Zeit sehr effizient einzuteilen. Drittens kann ich sagen, dass ich mehr Stunden arbeite als der durchschnittliche Mensch. Am Freitagabend zum Beispiel beginnt für mich nicht das Wochenende, sondern der zweite Teil der Arbeitswoche. In den Schulferien arbeite ich immer durch. Außerdem mache ich alles mit großer Freude und Leidenschaft, so dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt.

Ich habe auch das Glück, dass ich meinen Nebenberuf als Taubenfotograf zu Hause ausüben kann, wenn meine Kinder und meine Frau um mich herum sind, so dass ich keine Schuldgefühle haben oder mich fragen muss, ob ich als Ehemann oder Vater zu oft weg bin. Das erklärt vielleicht, warum ich so viel kombinieren kann. Mein jugendliches Alter kommt mir dabei auch zugute... Und ich weiß natürlich, dass ich dieses Tempo nicht für immer beibehalten kann. Früher oder später wird der Moment kommen, an dem ich wahrscheinlich eine paar Entscheidungen treffen muss. Aber das Problem lösen wir dann, wenn es soweit ist.

Wie setzen Sie die Tauben ein und wie pflegen Sie sie während der Sportsaison?

Ich arbeite gern mit vielen Tauben gleichzeitig und finde es beispielsweise toll, so eine große Gruppe trainieren zu sehen. Die Tauben sind recht kompakt untergebracht. In Schlägen mit einer Länge von etwa zwölf laufenden Metern leben ziemlich viele Flugtauben. Ich spiele meine Tauben nach der Nestmethode, wobei ich das Paar so gut wie immer einkorbe. Vor jedem meiner Schläger befindet sich eine Voliere, die Tag und Nacht offensteht. Dadurch erhalten die Tauben reichlich Sauerstoff und können relativ dicht beieinander untergebracht werden. Mit den Mortier- und Martenstauben verfüge ich außerdem über zwei sehr starke, gesunde Rassen, die dies möglich machen.

Um das Maximum aus der begrenzten Fläche herauszuholen, sind alle meine Flugtauben in Jungtaubenkästen untergebracht. Auf diese Weise kann ich mehr Paaren einen Nistkasten geben. Hierfür musste ich extra kleinere Nistschalen kaufen. Kurzum: Je mehr Jungtiere ich testen kann, desto mehr gute Tauben habe ich hoffentlich am Ende.

Die Tauben werden hier sehr schnell auf die Probe gestellt. Als Jährling fliegen sie alle die Agen/Narbonne-Rennen. Ich bin manchmal ziemlich stur und schwimme dann auch gern mal gegen den Strom. In meinem Heimatort Schendelbeke werden die gängigen Gesetze für den Taubensport oft umgeschrieben.

Wie füttern Sie?

Ich verwende die Traditional-, Plus I.C.+ und Plus I.C.⁺ Black Label-Mischungen von Versele-Laga. Als ich mich bei meinem Neustart für ein Futter entscheiden musste, war die Qualität der Mischungen von Versele-Laga ausschlaggebend. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich damals auch einen Keimtest mit einigen Mischungen gemacht habe. Auch hier schnitt das Futter von Versele-Laga am besten ab.

Mein Fütterungsplan ist relativ simpel:

Alttauben und Jährige:

Mitte August – Anfang Februar: Traditional Mauser Subliem

Anfang Februar – Mitte August: Plus I.C.⁺ Black Label Champion als Basismischung

  • Bei der Heimkehr:
  • Plus I.C.⁺ Black Label Champion + Plus I.C.⁺ Gerry. .
  • Plus I.C.⁺ Energy in getrennten Töpfchen + Grit und Mineralstoffe
    • Am Tag nach der Heimkehr: Plus I.C.⁺ Black Label Champion +Plus I.C.⁺ Gerry
    • Wochenmitte: Basismischung Plus I.C.⁺ Black Label Champion
    • Zwei Tage vor dem Einkorben bei einem internationalen Flug:
  • Plus I.C.⁺ Black Label Champion
  • Plus I.C.⁺ Energy in getrennten Töpfchen + Grit und Mineralstoffe

Jungtauben:

In den ersten vier Lebensmonaten: Traditional Zucht Subliem

Nach den ersten vier Lebensmonaten bis zum Jährling: Traditional Mauser Subliem

Zuchttauben:

September – Februar (Ruhemonate): Traditional Mauser Subliem

Februar – August: Traditional Zucht Subliem

Wie lassen Sie die Tauben während der Saison trainieren? Ist das wichtig für Sie?

Training ist super wichtig! Da ich die Tauben nach der Nestmethode spiele, muss ich mich als Züchter auch darum bemühen, dass sie trainieren. In meiner ersten Saison bin ich viel mit den Tauben herumgefahren. Aber nach einer Saison hatte ich dazu keine Lust mehr. Die Effizienz dieser Form des Trainings war meines Erachtens zu gering. Um die Tauben eine anständige Strecke fliegen zu lassen, saß ich oft 2,5 Stunden im Auto, während sie in 35-40 Minuten schon zu Hause waren.…

2023 habe ich einen anderen Ansatz gewählt und sie ausschließlich mit einem „Sky Dancer“ trainieren lassen. Dies ist eine sehr effektive Methode, um Tauben zum Training zu bewegen. Auf diese Weise müssen sie in den letzten zwei Wochen vor einem internationalen Wettbewerb täglich mindestens eineinhalb bis zwei Stunden trainieren. Das ist zwar nicht so schön, aber die Tauben werden dann auch aus ihrem Nest geholt. Außerdem stelle ich fest, dass dies keine negativen Auswirkungen auf ihre Motivation hat.

Um die Tauben aus ihrer Komfortzone zu holen, bringe ich sie auch manchmal bis an das andere Ende des Landes. Glaub mir, die Tauben kommen dann sehr schlecht nach Hause, aber sie haben ihre Kilometer abgeleistet und ihren Kompass genau justiert.

Werden Ihre Tauben während der Sportsaison intensiv betreut oder lassen Sie einfach alles seinen Lauf nehmen?

Sagen wir mal, dass wir während der Saison wenig oder nichts dem Zufall überlassen. In diesen fünf Monaten konzentriert man sich wirklich auf jedes Detail: Training, Ernährung, medizinischer Zustand, Gesundheit... Aber nach der Saison kann ich garantieren, dass die Pflege sehr minimal ist. Ich versuche meine Tauben dann wirklich nicht zu sehr zu verwöhnen. Diese minimale Pflege ist auch eine Notwendigkeit. Die Wintermonate sind für mich als Taubenfotograf die arbeitsreichsten Monate. Dann bekommen sie nur ihr Futter in den Napf und große Trinkbrunnen in den Schlag.

Können Sie abschließend noch einige Tipps für Anfänger geben? Was sind die wichtigsten Punkte?

  • Man sollte sich auf eine Disziplin konzentrieren. Das wichtigste ist also eine Spezialisierung!
  • Wenn man sich zum ersten Mal Tauben anschafft, sollte man zunächst die Ergebnisse der Disziplin, die man ausüben will, über mehrere Jahre hinweg genau analysieren. Manchmal sieht man bei solchen Analysen tatsächlich, dass kleine Kolonien Spitzenleistungen erbringen, auch wenn sie z. B. nicht unter den nationalen Top-50 eines Wettbewerbs zu finden sind.
  • Man sollte nur Tauben von Züchtern kaufen, bei denen man auch menschlich ein gutes Gefühl hat. Eventuell lässt sich abschätzen, ob man neben den Tauben auch die nötige Unterstützung von einem bestimmten Züchter erhält. Ich hatte das Glück, das die Taubenzüchter Hendrik Mortier und Dirk Martens meinen Weg kreuzten. Ihnen habe ich anfangs meine Ambitionen dargelegt, und beiden hat meine Geschichte gefallen. Ich habe dort das Beste vom Besten bekommen und wir hören uns sehr häufig, um Informationen auszutauschen. Man sollte aber auch vorsichtig sein, denn es gibt offensichtlich Züchter, die auch andere Motive haben, wenn man bei ihnen anfragt.
  • Man sollte Tauben von Züchtern kaufen, die einen echten Stamm besitzen. Darunter verstehe ich Kolonien, bei denen der Ursprung der Spitzentauben immer auf die Basis zurückgeht. Das war in meiner Situation der Fall. Die guten Flugtauben von Hendrik Mortier und Dirk Martens stammen in der Regel von einem bestimmten Basispaar mit einigen externen Einflüssen hier und da.
  • Man sollte aus seiner Kolonie keine Fremdenlegion machen, sondern sich für 2 oder 3 Ursprünge entscheiden.
  • Dabei geht es darum, den Zuchtschlag mit Tauben der ersten Generation zu bevölkern, die mit einer Spitzentaube verwandt sind. Also: Kinder oder Brüder/Schwestern. Es ist besser, zwei Kinder von einer Spitzentaube zu kaufen als zehn Enkel. Jede Generation, die weiter von der Spitzentaube entfernt ist, kann zu Fehlern (sprich: schlechten, nicht selektierten Tauben) im genetischen System führen. Je näher man an der Quelle (sprich: der Spitzentaube) bleibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die positiven Eigenschaften ohne Fehler an die nächste Generation weitergegeben werden.
  • Außerdem sollte man sich von Vorurteilen im Hinblick auf das Idealbild einer Taube verabschieden. Es gibt keine hässlichen guten Tauben. Wenn sie gute Leistungen bringen, werden sie automatisch schön.
  • Kreativität ist wichtig, man muss nach Möglichkeiten suchen, im Taubensport etwas nebenbei zu verdienen, um das Hobby auf diese Weise zu finanzieren.

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